Das Sega-Prügelspiel „Yakuza“ ist eine hochinteressante Vorlage für eine Verfilmung. Denn Entwickler Toshihiro Nagoshi hat sich schon für das Spiel mit dem Bestsellerautor Seishu Hase (u.a. die Buchvorlagen für Miikes „The City Of Lost Souls“ und Ryuichi Hirokis „M“) einen kreativen Kopf ins Boot geholt, der erst einmal ein richtiges Drehbuch geschrieben hat, welches dann die Grundlage für das Spiel wurde. So ist „Yakuza“ auch – nicht nur für ein Prügelspiel – mit einer ungemein komplexen Story ausgestattet, die viele überraschende Wendungen bietet, und bei dem lange Zeit unklar bleibt, wer die Fäden im Hintergrund zieht und wer auf welcher Seite steht. Eigentlich könnte man es sich ja nun für eine Verfilmung einfach machen, auf Hases Drehbuch zurückgreifen, die zahlreichen Nebenquests, welche nur die Spieldauer verlängern und dem Spieler noch mehr Prügelspaß bringen sollen, wegschneiden und hätte ein wendungsreiches Actiondrama. Einerseits wäre das aber unkreativ, für den Fan der Spiels eher langweilig, da schon bekannt, und zudem immer noch nicht annähernd in einem 2-Stunden-Spielfilm umsetzbar. Daher haben sich Miike und sein Drehbuchautor Seiji Togawa für einen ganz anderen Weg entschieden. Der Hauptcharakter und einige Elemente der Grundhandlung werden beibehalten, ergänzt wird dies aber um völlig neue Nebenplots. Im Vordergrund steht weniger eine dramatische und spannende Geschichte voller Richtungsänderungen, sondern der wilde Spaß. So ist „Like A Dragon“ nicht der komplexe und dichte Yakuza-Thriller, der bei der Vorlage auch möglich gewesen wäre, dafür aber ein buntes und wildes Knallbonbon, was so aussieht, wie man sich eine Verfilmung eines Prügelspiels vorstellt.

Rekordtemperaturen bringen Tokyos Bürger zum Schwitzen und im Stadtteil Shinjuku überschlagen sich während der Hitzewelle die Ereignisse. Zwei Gangster haben eine Bank überfallen und nun Geiseln genommen. Denn zu aller Verwunderung war der Tresor leer. Die zehn Milliarden Yen der Yakuza, die dort sein sollten, sind spurlos verschwunden. Während die Polizei um Noguchi (Sho Aikawa) ratlos ist, wie man mit der Geiselnahme umgehen soll, ist der koreanische Killer Park (Yoo Gong) angereist um den Dieb zu erledigen. Im gleichen Viertel sind auch gerade zwei Teenager, der tollpatschige Satoru (Shun Shioya) und seine hübsche Freundin Yui (Saeko), unterwegs, die spontan auf die Idee kamen ein paar Geschäfte zu überfallen. Mitten in diesem Chaos findet sich auch der ehemalige Yakuza Kazuma Kiryu (Kazuki Kitamura) wieder. Zehn Jahre saß er wegen Mordes im Gefängnis, nun frisch entlassen, nimmt er sich der kleinen Haruka (Natsuo) an, die ihre Mutter sucht, deren Schwester Yumi (Saki Takaoka) eine gute Bekannte von ihm ist. Doch Kazuma muss sich dabei allerhand ehemaligen Kollegen erwehren, denn die Yakuza ist nicht gut auf ihn zu sprechen und schickt ihm Schläger auf den Hals. Angeführt werden diese von dem brutalen Psychopathen Goro Majima (Goro Kishitani), der die Straßen schnell in ein Schlachtfeld verwandelt. Mittendrin ist auch noch der zynische Cop Date (Yutaka Matsushige), der als einer der wenigen den Durchblick zu haben scheint. Natürlich kreuzen sich bald die Wege aller Beteiligten, was das Chaos komplett macht.

Fans der Spielevorlage werden vor allem von dem getreuen Setting begeistert. In den ersten Minuten bleibt einem da schon der Mund offen stehen, wenn man erst einmal einen Blick aus der Helikopterperspektive auf das Stadtviertel werfen darf und dann sieht wie Kazuma durch die Straßen eilt, so wie man ihn im Spiel durch diese Gassen gesteuert hat. Ersichtlich wurde hier das Augenmerk auf eine möglichst detaillierte Umsetzung gelegt und Kenner des SEGA-Games werden schnell die einzelnen Shops und Straßenecken erkennen und wissen, wo sich der Held gerade befindet. Diese Kenntnis ist natürlich kein Muss für das Genießen des Films, aber ein schönes Bonbon.

Die Mühe die genaue Entwicklung der Story nachzuvollziehen, sollte man sich allerdings nicht machen. Ohne Kenntnis der Vorlage ist das eher schwer, aber auch nicht schädlich. „Like A Dragon“ ist vor allem nämlich eins: Ein gnadenlos Fun-Movie, überdrehte und knallbunte Action bis zum Geht nicht mehr und zwischendrin etwas Skurrilität. Die Story um die beiden Bankräuber sowie die beiden Teenager, die auch gerne Gangster wären, hat so auch nicht sonderlich viel Relevanz, sondern soll vor allem zusätzliche Komik und groteske Szenen liefern. Folgerichtig rücken die beiden Plots mit Fortlauf der Handlung immer mehr in den Hintergrund und machen dem Haupterzählstrang um Kazumas Suche nach der Mutter von Haruka Platz. Daneben ist der Schauplatz sowieso überbevölkert von skurrilen Figuren, so zum Beispiel einem sado-masochistischen Waffenhändler (YosiYosi Arakawa), der auch recht gut informiert ist und so von nahezu jeder relevanten Person mal aufgesucht wird. Fans der Vorlage werden allerdings Untergrundkönig und Bettlerboss Kage vermissen, der genauso wie sein gesamter Überwachungsapparat leider nicht in die Filmhandlung integriert wurde.

Technisch ist „Like A Dragon“ über weite Strecken große Klasse. Vor allem die Kämpfe sind ein wahres Fest an Augenschmäusen und ausgefallenen Ideen, die sich oft auch als Referenzen ans Videospiel erweisen. Da freut es dann den Fan natürlich, wenn bekannte Kampftechniken eingesetzt werden. Vor allem wenn Goro Kishitani als Majima beteiligt ist, bekommt man ein Fest an Skurrilität geboten.
Schon seine Einführung im Baseballkäfig ist ein riesiger Spaß, nutzt er doch den Kopf eines seiner Gangmitglieder mal schnell als „Polster“ zwischen Ball und Schläger. Auch eine anschließende Prügelei zwischen seiner Yakuza-Gang und eine riesigen Horde von Straßenrowdys erweist sich als Fest und seine Aufeinandertreffen mit Kazuma toppen das Ganze natürlich noch (und werden von Mal zu Mal abgedrehter). Technisch sind eigentlich nur zwei Dinge zu beanstanden. Der CGI-Hubschrauber und die große Explosion im Finale sehen doch sehr mäßig aus, beim Hubschrauber kann man sogar kurz vermuten, man habe die entsprechende Sequenz direkt aus dem Spiel genommen. Bei den Kämpfen ist der CGI-Einsatz zwar ebenfalls deutlich sichtbar, funktioniert aber bei Dingen wie dem „Heatmodus“ und Majimas Baseballeinsätzen als Referenz an das Ausgangsmedium exzellent.

Vor allem im Finale (Schauplatz: Millenium Tower) wird endgültig klar, dass hier ein Videospiel die Vorlage ist. Wenn der halbtote Kazuma ein Heat-Powerup trinkt und dann im Heatmodus gegen seinen Widersacher Nishiki (Kuroudo Maki), der ebenfalls im Heatmodus ist, kämpft, dass die Fetzen fliegen, hat das mit einem (in einer „realen“ Welt spielenden) Yakuza-Actioner nichts mehr zu tun. Dafür ist es aber eine absolute Spaßgranate.

Bei den Darstellern stiehlt der Bösewicht allen die Show. Die schräge Figur des Majima von einem kleinen Nebencharakter im Spiel zu einer der Figuren mit der meisten Screentime auszubauen, erweist sich als kluger Schachzug. Denn Goro Kishitani rockt in dieser Rolle einfach gewaltig und jede Szene mit ihm ist ein eigenes kleines Fest. Da stinkt Kazuki Kitamura im Vergleich einfach ab, vor allem kommt er mir als schweigsamer Held einfach nicht cool genug rüber. Im Übrigen setzt Miike auf einen guten Cast mit einer Menge vertrauter Namen, wobei es ein wenig schade ist, dass die Rolle von Sho Aikawa recht klein ausfällt. Gute Auftritte hat er trotzdem und irgendwie ist er immer eine Spur besser wenn er wie hier einen „Trottel“ spielt (siehe auch „
Zebraman“ oder „Tokyo Zombie“) als wenn er den coolen V-Cinema-Helden gibt.
Fazit: Das SEGA-Videospiel „Yakuza“ (welches übrigens mit Namen wie den Kinostars Eliza Dushku, Michael Madsen, Rachael Leigh Cook, Mark „Luke Skywalker“ Hamill, „Smallville“-Star Michael Rosenbaum und „A-Team“-„Murdock“ Dwight Schultz eine illustre Sprecherriege aufweisen kann) finde ich schlicht großartig. Der Film hat nicht ganz die überragende Klasse, geht aber, was sehr erfrischend ist, eine völlig andere Richtung und macht eine Menge Spaß. Die Story mag sich für Nichtkenner des Spiels vielleicht ein wenig sprunghaft entwickeln (auch das vorherige Anschauen der Kurzfilme hilft hier nicht sonderlich weiter, dürfte sogar eher verwirren), steht aber sowieso im Hintergrund. Auch wenn dieses Review sehr stark von der Warte eines mit der Vorlage Vertrauten geschrieben ist, kann ich „Like A Dragon“ auch guten Gewissens den übrigen Miike-Freunden empfehlen (und auch sonst jedem, der Lust auf eine spaßige, überdrehte Action-Videospielverfilmung hat).
Weiterführende Links:
Filmclip: Goro Kishitani im Baseballkäfig
Download: Teaser
Download: Trailer
Download: 7 Minuten langer Trailer - HQ-Version
Download: 7 Minuten langer Trailer - LQ-Version
Kritik zu “Ryû Ga Gotoku - Jissha-ban”
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Trailer zum Spiel
Offizielle deutsche Website von SEGA zum Spiel mit allen vier Kurzfilm-Prequels zum Spiel, Charakterprofilen, Trailer zum Spiel u.v.m.
Informationen zum Spiel auf der deutschen Website von SEGA
Interview mit Toshihiro Nagoshi, dem Entwickler der Spielevorlage, bei stern.de
Besprechung der Spielevorlage bei stern.de (mit Bildergalerie)
Checkmedia.de-Forum: Zahlreiche Pressemitteilungen von Sega zum Spiel und viele weitere Bilder aus dem Spiel
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