Ryû Ga Gotoku - Jissha-ban

Apr 24th, 2008 | By Kazushi | Category: Kritiken, Ryû ga gotoku - jissha-ban

Am Anfang des SEGA-Prügelspiels „Yakuza“ ist man im Jahre 1995 und muss erleben wie die vom Spieler gesteuerte Hauptfigur Kazuma Kiryu einen Mord gesteht, den er nicht begangen hat. Denn neben der Leiche standen Nishiki, mit gerade geleerter Pistole, und die hübsche Yumi, seine engsten Freunde, mit denen er gemeinsam in einem Waisenhaus aufgewachsen ist. So will er seinen „Bruder“ und seine „Schwester“, für die er noch deutlich mehr empfindet, schützen und setzt dafür sein ganzes Leben aufs Spiel. Denn gerade hatte Kazuma die Erlaubnis und genug Geld zusammen, um seinen eigenen Clan zu gründen. Da das Opfer Sohei Dojima, eines der hohen Tiere des Tojo Clans ist und die, sich gegen einen direkten Vorgesetzten richtende, Tat so ziemlich das Verächtliste ist, was ein Yakuza tun kann, wird Kazuma zehn Jahre später, wenn er frei kommt (und der Hauptteil des Spiels beginnt) ein Ausgestoßener sein, der von (fast) all seinen ehemaligen Freunden gejagt wird.

Yakuza-Kurzfilme_1.jpg
Um diese Hintergründe noch zu verdeutlichen, ließ SEGA kleine Kurzfilme drehen, wobei bezüglich der genauen Credits und der Anzahl etwas Unklarheit herrscht. Teilweise heißt es, es seien zwei Kurzfilme à rund 20 Minuten („Ryû ga gotoku - jissha-ban: kôhen“ und „Ryû ga gotoku - jissha-ban: zenpen“), teilweise vier à rund 10 Minuten. In der westlichen Welt wurde das Ganze zumindest in vier Teilen veröffentlicht, wobei der vierte Teil direkt an den dritten anknüpft, es hier also nahe liegt, dass es eigentlich ein Film war. Ein wenig Unklarheit herrscht auch nach wie vor bei der Regiefrage. Miike fungierte auf jeden Fall als Produzent, zudem ist er „integration director“ (was immer das ist), als Regisseur wurde Takeshi Miyasaka geführt. Andere Quellen berichten aber, dass Miike und Miyasaka sich die Regie geteilt haben, der eine die erste Hälfte, der andere die zweite Hälfte. Egal wie es nun war, es gibt kostenlos im Netz vier zehn Minuten lange Videos (weswegen ich auch im Fortlauf immer von vier Filmen/Teilen schreiben werde), die eine gute Ergänzung zum Spiel liefern, für das Verständnis des, sich von der Handlung des Spiels teilweise lösenden, Films „Like A Dragon“ aber nicht nötig sind (sondern sogar verwirren könnten).

Yakuza-Kurzfilme_10.jpg
Der erste Film beginnt mit Kazumas (im Erwachsenenalter gespielt von Wrestler Masakatsu Funaki) Auffinden der Leiche, sowie seinem anschließenden Geständnis im Verhörraum der Polizei, bevor es einen Zeitsprung zurück ins Jahr 1980 gibt. Hier leben Kazuma, Nishiki und dessen Schwester gemeinsam als Kinder im karg ausgestatteten Sunflower Waisenhaus. Eines Tages kommt auch die junge Yumi ins Waisenhaus. Ihre Eltern wurden zum Opfer von verirrten Kugeln bei einem wilden Schusswechsel zwischen zwei Yakuza-Banden. Sie spricht zu Beginn kein Wort und taut erst langsam Dank ihrer lebenslutigen Mitbewohner auf. Der zweite Film springt ins Jahr 1984, wo Kazuma und Nishiki sich wilde Prügeleien mit anderen Kids liefern und – als Nishikis Schwester schwer krank wird – einen ehrenvollen Yakuza kennen lernen, der sich ihrer annimmt und ihr Mentor wird. Im dritten Teil, der 1990 beginnt, sind sie dann Yakuza. Während des dritten Films findet ein Sprung ins Jahr 1995 zu jenem verhängnisvollen Abend statt, in dem sich das Leben von Kazuma, Nishiki (im Erwachsenenalter gespielt von Mikio Ôsawa) und Yumi (nun Ayaka Maeda) ändern soll. Der vierte Teil schmückt dieses Ereignis dann noch aus, um am Schluss den direkten Anschluss zum Videospiel zu vollziehen, wobei auch ein Trailer zum Spiel (und damit die Videospieloptik) integriert wird.

Yakuza-Kurzfilme_2.jpg
Die vier Filme sind zusammen eine ganz nette Ergänzung zum Spiel, aber kein Muss. Man lernt die Charaktere noch ein wenig besser kennen, wobei ich es persönlich für vorteilhaft halte, die Filme erst im Anschluss an das Spiel zu sehen. Zum einen bieten dann auch die Filme durchaus Überraschendes, da man sich die Jugend der drei Protagonisten in kleineren Punkten vielleicht etwas anders vorgestellt hat, zudem ist der vierte Film überraschend konkret geworden. Nachdem er nämlich, wie schon das letzte Drittel des dritten Teils, erst fast nur Ereignisse erzählt, die man auch im Spiel sieht (dieses hat ja eine kurze Einleitung im Jahr 1985), wird sehr ausführlich der weitere Weg von Nishiki und Yumi an diesem verhängnisvollen Abend gezeigt. Das nimmt doch einiges an Handlung vorweg, denn im Spiel ist man ja die meiste Zeit (abgesehen von einigen Sequenzen über Ränkespiele bei den Yakuza und Diskussionen bei der Polizei) auf dem Kenntnisstand von Kazuma und erfährt erst nach und nach, welchen Weg Nishiki und Yumi in jener Nacht nahmen.

Yakuza-Kurzfilme_11.jpg
Interessant ist der ähnliche Aufbau der meisten Teile. Wenn man vom kurzen, 1985 spielenden, Intro zu Beginn des ersten Teils absieht, werden die Teile 1-3 jeweils von einer wilden Actionszene eingeläutet, um dann aber sehr ruhig, teilweise sogar melancholisch-poetisch zu werden. Nur der vierte Teil, der ja direkt an den dritten anknüpft, bildet hier eine Ausnahme. Bei den Actionszenen setzt man auf den aus „Blair Witch Project“ bekannten (und in jüngerer Vergangenheit – siehe „Cloverfield“, „[Rec]“ - wieder sehr populären) Fake-Documentary-Style. Gerade bei dem Yakuza-Schusswechsel, dem Yumis Eltern zum Opfer fallen, glaubt man bisweilen, man sehe die Aufnahmen eines zufällig ebenfalls mittenrein geratenen Passanten. Auch das Bild sieht in dieser Phase aus wie bei einem grobkörnigen Amateurvideo. Die Prügelei zu Beginn des zweiten Films ist von einem ähnlichen Stil, aber leicht dezenter, während die Kamera bei der, den dritten Teil einleitenden Prügelei, schon fast als ruhig zu bezeichnen ist. Interessant ist übrigens auch die Farbgebung, die während der Szenen in den Achtzigern überhell und recht bunt ist, wie bei vielen Filmproduktionen jener Zeit.

Fazit: Eine nette, durchaus sehenswerte Ergänzung zum Game, die ich aber erst nach dem Durchspielen von diesem empfehle. Btw: Irgendwie gefiel mir der muskulöse Wrestler Masakatsu Funaki, obwohl mimisch völlig unbegabt und eigentlich zu breit für die Kazuma-Rolle, irgendwie besser als Kazuki Kitamura in „Like A Dragon“.

 

Weiterführende Links:

  • Bildvergleich: Spiel, Kurzfilme, Kinofilm
  • Offizielle deutsche Website von SEGA zum Spiel mit allen vier Kurzfilmen, Charakterprofilen, Trailer zum Spiel u.v.m.
  • Das Videospiel bei Amazon bestellen
  • Trailer zum Spiel
  • Informationen zum Spiel auf der deutschen Website von SEGA
  • Interview mit Toshihiro Nagoshi, dem Entwickler der Spielevorlage, bei stern.de
  • Besprechung der Spielevorlage bei stern.de (mit Bildergalerie)
  • Checkmedia.de-Forum: Zahlreiche Pressemitteilungen von SEGA zum Spiel und viele weitere Bilder aus dem Spiel
  • Verwandte Artikel

    Tags: , , , , , , , , , , , ,

    Trackback URL zu diesem Beitrag

    Einen Kommentar hinterlassen